Maria-Magdalenen-Kirche in Marne

 

Die Marner Wurt
Meeresumbrandet bildete sich einst Inseln au den Watten. Bereits vor 800 n. Chr. dürften die ersten Wurtendörfer entstanden sein. Etwa seit dem Jahre 1000 n. Chr. wurde durch Eindeichung neues Land gewonnen. Landverbindungen von Wurt zu Wurt konnten hergestellt werden.
Als Mittelpunkt der alten Marner Wurt, ursprünglich mit einem Ringwall und einer Tränke versehen, dürfte der heutige Kirchplatz gelten.
In einer Urkunde von 1140 wird Marne (Myrne) zum ersten Mal erwähnt. Im ältesten Verzeichnis der dithmarscher Kirchspiele von 1281 wird Marne (Merna) als Kirchdorf bezeichnet.
Stadt ist Marne seit dem 1. Oktober 1891. 1976/77 wurde der Kirchplatz neu gestaltet.

Die alte Marner Kirche

war Maria Magdalena geweiht. Sie wurde vermutlich nach der Schlacht von Bornhöved erbaut, die am 22. Juli 1227, dem Maria-Magdalenen-Tag, geschlagen wurde und aus der Dithmarschen als fast unabhängiger Bauernstaat hervorging, der erst 1559 seine Freiheit wieder verlor.

Die Maria-Magdalena-Kirche war ein schlichter, chorloser, sehr langer Ziegelbau (40:10 m) mit Dachreiter und freistehendem Glockenstuhl. Sie wurde mehrfacher erweitert, zuletzt 1836/ 37 renoviert und 1904 abgebrochen.
Taufbecken, Kanzel und Orgelgehäuse wurden in die neue Marner Kirche übergenommen. Ein Modell befindet sich im Vorraum der jetzigen Kirche (Maßstab 1:50).

Die neue Marner Kirche
wurde 1904/ 1906 als Backsteinbau nach frühgotischem Vorbild von dem Kirchenbaumeister Wilhelm Voigt aus Kiel errichtet. Grundriß bildet das lateinischen Kreuz. Die Kirche ist einschl. Chor 26 m lang weist eine lichte Höhe von 16 m mit schönem Kreuzgewölbe auf und verfügt über 786 feste Sitzplätze.

Das Fundament des Kirchturms reicht bis auf den früheren Meeresboden, 4 m unter Terrain. Der Turm, unten viereckig, oben achteckig, mißt 61.5 m und ist damit höher als der Meldorfer Dom.
Über den drei Portalen befinden sich Bilder von Martin Luther, Johann Bugenhagen und Heinrich von Züthphen, dem dithmarscher Märtyrer.

Die Orgel
ist 1603 erstellt worden.


Orgelführung

Der Altar
wurde 1906 erstellt mit dem Cruxifixus und zwei Engeln. Die Abendmahlsgeräte sind von 1612. Einiges verschwand im 30-jährigen Krieg.
Zwei Kannen wurden 1648 neu beschafft. Eine dritte aus dem Jahr 1796 wurde 1973 wieder neu aufgefunden.

Die Kanzel
stellt ein Kunstwerk von besonderer Schönheit dar. Sie stammt aus dem Jahr 1603.


Die vier Großflächen zeigen in reichem Relief-Schnitzwerk die Geburt, Kreuzigung, Auferstehung Christi und das Jüngste Gericht. Darunter jeweils auf den rechteckigen Tafel die zugehörigen Worte des christlichen Glaubens in plattdeutscher Mundart. Am unteren Rand der Kanzel lesen wir die 'Stiftungsurkunde'. Am sunder uwes vaders geist is, de dorch iw redet. (Ihr seid es nicht, die da reden, sondern Eures Vaters Geist ist es, der durch Euch redet.)
Der Aufgang zur Kanzel ist nicht echt.

Die Taufe
ist das älteste Stück der Marner Kirche. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert.
Das kupferne Taufbecken wird von vier Stützfiguren auf einem Ring getragen. Am obersten Rand sind in Spiegelschrift die lateinischen Worte zu lesen: "Qui baptizatur hoc sacro fonte lavatur". (Wer getauft wird, wird in diesem heiligen Quell gewaschen).

An vier Seiten des Beckens ist Jesus Christus, sitzend predigend zu sehen, von den vier Evangelisten umgeben. Dazwischen das Gußzeichen: eine Heilige in frühgotischem Heiligenhaus.
Taufen der gleichen Art finden sich in Büsum und auf der anderen Seite der Elbe z.B. in Altenbruch und Lüdingsworth bei Cuxhaven.
Das Taufbecken, ehemals ganz mit Wasser gefüllt, wurde vor etwa hundert Jahren mit einem Holzdeckel versehen, in dem eine silberne Wasserschale steht. Sie trägt, reich ornamiert, den Spruch Mk. 10, 14: "Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht".

Die Fenster der Marner Kirche
stellen in bunten Farben biblische Geschichten dar:

zu Norden die Kreuzigung, zu Süden die Auferstehung Christi. (Kontrast zwischen dunklem und hellem Himmel) Auf dem Orgelchor zu Norden: Jesus und die Sünderin, zu Süden: die Grablegung. Auf allen Bildern ist Maria Magdalena dabei!
Unter den großen Fenstern zu Süden und Norden sind die Apostel und Evangelisten zu sehen.

Die Wandbilder
hatten wie die gesamte Innenmalerei unter Kriegs- und Nachkriegseinwirkungen so stark gelitten, daß eine Totalrenovierung zum 50jährigen Bestehen der Kirche 1956 vorgenommen werden mußte.
Von den ehemals von Kirchenmaler Berg erstellten Bildern ist nur das Lutherportrait über dem Haupteingang außen erhalten geblieben.
Die Renovierung 1956 wurde von Kunstmaler Wehrmann-Glückstadt durchgeführt.
Wir sehen links vom Altar die Geburt Jesu, rechts die Himmelfahrt Christi, auf dem Orgelchor zu Süden David mit der Harfe.

Die Glocken
Die älteste Marner Glocke aus dem 14./ 15. Jahrhundert hing in dem Dachreiter der alten Kirche und wurde vermutlich 1905 eingeschmolzen.
Die große Glocke von 1548 sprang 1902 beim Läuten. Sie wurde 1905 an das Flensburger Museum verkauft und von da nach 1945 an die St. Marien-Kirche zu Flensburg zum Schweißen und Wiederverwenden geliehen.
Die alte Glocke von 1565 wurde 1950 unglücklicherweise zerschlagen. Der Abtransport konnte jedoch in letzter Minute verhindert werden. Sie stehen jetzt, leidlich geflickt, im Marner Museum. Sie ist eine der wertvollsten dithmarscher Glocken mit schönem Reliefs: Madonna, Auferstehung, etc.
1906 erhielt die neue Kirche drei neue Glocken, von denen 2 im 1. Weltkrieg abgeliefert werden mußten.
1934 ist auch die kleinste eingeschmolzen., als man wieder drei neue Glocken (Firma Ohlssen - Lübeck) beschaffte, von denen nur die Größte den 2. Weltkrieg überlebte.

Die heute im harmonischen Zusammenhang des - f - as mit dem im Jahre 1953 von der Glockengießerei Rinker-Sinn/Dillkreis gegossenen neuesten Glocken der Marner Kirche ruft die Gemeinde zu Gottesdiensten und Andacht. und erinnert viertelstündlich an das Verrinnen der Zeit, das Uhrwerk sorgt für pünktliche Glockenschläge.

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