4 Gesänge mit J. W. v. Goethe
für Sprecher, Sopran, Altflöte (in G), Bratsche und Violoncello (2002)

Version mit Altflöte

Spielanweisung
Texte

I pdf
II
pdf
III
pdf
IV
pdf

Uraufführung in der Version mit Altflöte am 26. Mai im 'theater itzehoe' durch das Ensemble Horizonte unter der Leitung von Jörg Peter Mittmann.

Version mit Klarinette 

Spielanweisung
Texte

I pdf
II
pdf
III
pdf
IV
pdf

(Version mit Bass und Klarinette (in B) pdf)

zurück

Einführung von Dr. Mechtild Hobl-Friedrich

Der Komponist Peter Heeren, dessen "Vier Gesänge mit Johann Wolfgang von Goethe" Sie anschließend hören werden, hat sich lange und intensiv mit dem Dichter auseinandergesetzt.
Dabei stieß er zwangsläufig auf die naturwissenschaftlichen Studien Goethes, die in dessen Leben einen ebenso großen Raum eingenommen haben wie sein dichterisches Wirken. Von diesen naturwissenschaftlichen Studien hat Goethes Farbenlehre eine große Bedeutung erlangt. Doch was weithin unbekannt geblieben ist, ist Goethes Versuch, auch eine Tonlehre zu entwickeln. Da Goethes Verhältnis zur Musik ein durchaus zwiespältiges war, ist es natürlich für einen Komponisten überaus reizvoll, sich gerade diesen Texten zu nähern. Peter Heeren hat für seine Komposition aus den Paralipomena - den Randbemerkungen - einige, häufig auf ein einziges Wort reduzierte "Gedanken" ausgewählt und sie in ein ebenso bruchstückartiges, fragmentarisches Musikmaterial übernommen, das, mit Generalpausen durchsetzt, die innere, die gedankliche Weiterentwicklung, hörbar macht. Die Instrumente sind auf ihre weit vom volltönenden Wohlklang entfernte spröde Tongebung reduziert.
In Korrespondenz zueinander stehen der zweite und der vierte Teil, wobei es im zweiten Teil um die Monaden-Lehre, ein von Goethe aus der Leibnizschen Philosophie in die Musik eingeführten Begriff geht, womit er Proportionen beschreibt. Diese hat der Komponist in seine Sprache übertragen. Der vierte Satz, der Farbenlehre entnommen, verdeutlicht das. Die Illustration des Satzes, einmal gesungen, einmal gesprochen, geschieht - im Sinne der Evolution und der Nachahmung - durch eine entfernt l2tönige Reihe, besser vielleicht: durch 12-Ton-Felder, die, in Verbindung mit tonalen Elementen, zu einem Gleichgewicht, zu einer inneren Harmonie führen.

Etwas fremd, und dennoch in Korrespondenz zum ersten Teil stehend, mutet der dritte Teil an, Faust II entnommen. Bruchstücke eines Mozartschen Wiegenliedes werden als Elemente neu gefügt, und im Schmerz über die nicht zum Leben geborenen Kinder tasten sich die Instrumente bis an die Grenze des akustisch Hörbaren und des technisch Spielbaren.

Diese "Vier Gesänge" führen den Hörer in eine stille, nach innen gekehrte, der lauten Außenwelt abgetrotzte Reflektion, musikalisch auf die sparsamsten Mittel reduziert.

zurück