Frei von mir!

 

Die Komposition musikalisches Opfer Nr.1 für Dennis ist eine Glasperlenspielerei. Die Musik ist abstrakt. Sie will nichts ausdrücken. Kein besonderes Gefühl. Keine Freude. Kein Schmerz. Nichts. Warum?

Weil ich die Erfahrung gemacht habe, daß alle Musik, die meine Gefühle lenkt, mich noch mehr traurig macht.

Ich will diese Behauptung erläutern. Fragwürdig ist zum einen der Begriff Gefühle-Lenken, ich möchte daher zur Erklärung folgende zwei Beispiele geben: die Mazurken von F. Chopin sind wunderschöne Charakterstücke, die eine bestimmte Atmosphäre haben. Und genau diese bestimmte, vom Komponisten beabsichtigte Stimmung verändert die Gefühle des Hörers. Die Musik lenkt gewissermaßen seine Gefühle. Mehr ist nicht gemeint.

Oder die expressive Musik A. Schönbergs. In seiner Gefühlswelt "brodelt und tobt" es, und es war Schönbergs erklärte Absicht, diese intensiven, vielleicht nur durch Musik ausdrückbaren Gefühle durch seine Kompositionen seinem Publikum zu zeigen, auf daß sie auch so fühle!!

Ich mußte feststellen, daß mir, wenn es mir mal nicht so gut gegangen ist, nicht mal die fröhlichste Musik aufgeheitert hat. Ich merkte irgendwann, daß es mir nicht hilft, wenn Musik meine Gefühle verändert. Das, was mir wirklich in persönlichen Lebenskrisen, die jeder durchmacht, geholfen hat, waren scharfe, differenzierte, klare Gedanken. Denn diese haben mich nicht verändert, sondern befreit. - Ich möchte deswegen Musik komponieren, die genau das leistet.

Natürlich ist keine Musik denkbar, die nicht Gefühle anspräche, denn alle sichtbaren Dinge sprechen die Gefühle an. In meiner Musik verhält es sich aber so, daß ich keine besondere Stimmung, kein besonderen Gefühle transportieren möchte, sondern das ich diese sich selbst überlasse. Ich kümmere mich einfach nicht darum. Sollen die Leute doch fühlen, was sie wollen! Das Gefühl wird in meiner Musik als Epiphänomen behandelt, Gefühle kommen sowieso, ich kann es nicht verhindern.

Ich lenke aber in meiner Musik die Aufmerksamkeit auf etwas ganz anderes, auf die unsichtbaren Dinge (eine Utopie). Das will ich: vergeistigte Musik, Augenmusik, Musik, die besser geschaut als gehört wird.

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