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Mit "unseren" Jahrhundert ins
Neue...
ansatzweise...
Was wird die junge Komponisten - Generation ins neue
Jahrhundert mitnehmen? Einen der denkbar möglichen
Einblicke soll die bevorstehende Uraufführung andeuten.
Es wird weiterhin eine Musik geben, die neue Ansätze
versucht. Sie versteht sich als Herausforderung an die
Interpreten und Hörer in gleicher Weise. Sie spielt mit
neuen Ideen und Konzepten, sie beansprucht, daß man
sich mit ihr auseinandersetzt. Auch sie hat eine eigene
Geschichte, eigene Entwicklungen, obgleich ihre
Spitzenkompositionen traditionelle Bindungen weitgehend
negieren. Und vielleicht ist gerade das Moment des
Unerwarteten ihre Deutung von Geschichte: Obstinat, die
eigensinnigen, aber hoffnungsvollen Mitgestalter der
Musikszene.
erster Ansatz
Als die Dissonanz in der Musik sich verselbständigt
hatte und aus dem Spannungsfeld zur Konsonanz herausgetreten
war, erschien Komponieren leicht geworden. Alles war
möglich. Aber es erwies sich, daß traditionelle
Formen problematisch geworden waren. Sie wurden die
Kostenträger der klanglichen Entwicklung. Es war ein
Aufbruch, wie in ähnlicher Weise die Malerei mit
abstrakten, gegenstandslosen Farbkompositionen zu neuen
Bereichen vorstieß. Und die Fortsetzer hatten es
schwer.
zweiter Ansatz
Mit der Vorherrschaft und Ausschließlichkeit der
Dissonanz drohte der Vorgang des Komponierens außer
Kontrolle zu geraten. Arnord Schönberg erfand das
ordnungsstiftende Prinzip der Zwölftontechnik.
Ungebunden und traditionell verfügbar blieb lediglich
der Rhythmus. Sein erstes in Reihentechnik geschriebenes
Werk war ein Walzer. Paradoxie?
dritter Ansatz
Es war abzusehen, daß die nachfolgende
Komponistengeneration auch den Rhythmus organisierte.
Gewaltige Werke entstanden unter dem Namen der "seriellen
Musik". Doch die Sprödigkeit des Tonmaterials holte die
Komponisten ein. Ernüchtert stellte man fest, daß
Komponiertes sich als Improvisiertes darstellte. Freiheit
und Notwendigkeit wurden austauschbar.
vierter Ansatz
Ein Musical ist moderne Musik, wie moderne Musik kein
Musical ist. Bei aller Überflutung durch Musik, von der
wir umgeben und durchdrungen sind, gibt es in der
Gesellschaft, für oder gegen sie, Komponisten, die auf
Gegenkurs gehen, die sich dem allgemeinen Klangteppich
verweigern. Sie setzen auf Dissonanz.
fünfter Ansatz
Dissonanz ist nicht dem Chaos gleichzusetzen, es sei
denn, man erkennt, daß Chaos nicht chaotisch ist. Sehr
wohl ist das Erscheinungsbild strukturiert. Komponieren
heute könnte sich einer übergeordneten Struktur
stellen.
zur Sache
Die Notation von Peter Heerens Bagatellen steht für
eine übergeordnete Formation. Jede der sechs Bagatellen
ist auf einer einzigen Partiturseite notiert. Die vier
Stimmen des Streichquartetts stehen jedoch nicht
untereinander, sondern nebeneinander. Es gibt keine
durchgehenden Taktstriche. Die Konturen verschwimmen,
vergleichbar einem Vierfarbendruck, dessien Druckplatten
nicht exakt aufeinanderliegen. Was im Handwerk als Fehldruck
verworfen wird, erhält hier als Diffusion eine
Aufwertung. Jede Aufführung zeitigt andere Ergebnisse
des Zusammenspiels.
Facit
Diffusion: mit diesem fließenden Ergebnis hat die
Komposition Teil an außermusikalischen Phänomenen
und Aktionen, ein Beispiel für das große Spektrum
der Möglicjkeiten, mit denen neue Musik individuell
sich darstellen kann. Könnte daraus ein neues
Gefühl sich entwickeln? Es ist schwierig geworden,
heute noch Gefühle zu aüßern, sie expressiv
zu outen. "Harmvoll".
Wolfgang Rogge
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