Eine Auftragskomposition des theaters itzehoe. Im Akt der Niederschrift
trete ich auf einmal dem gegenüber, das eben noch vage gedacht und
gefühlt war, und nun schriftlich fixiert ist. Dieses Tun ist aber weit
mehr als nur die bloße Disposition von Vorgedachtem, in ihm berühren
einander Privatheit und Öffentlichkeit. Ich frage mich, in wie weit
mein Erdachtes und Erfühltes für jemand anderen interessant sein
könnte. Mir ist immer klarer geworden, daß nicht mein Gefühltes, dieser
Rohstoff, noch undomestiziert von Absicht und Wille, das Wesentliche
für mich ist, denn ich
verfalle nicht dem eitlen Irrtum, daß meine Gefühle etwa bedeutender
sein könnten als die Gefühle anderer Leute, sondern wesentlich für mich
ist die Reinigung, die diesen Rohstoff zu veredeln sucht, und der dann,
geschliffen und gewienert, gestrafft und gekürzt, durchdacht und
reflektiert, objektiviert, aber mit einer persönlichen Note vielleicht
berechtigt ist, veröffentlicht zu werden.
Sonate
für Flöte, Bassetthorn, Violine, Viola, Violoncello, Harfe,
Vibraphon, Schlagzeug und Klavier (2003)